Kultur

Donauschwaben

Die Geschichte der Donauschwaben und ihre kulturelle Identität ist mit der Geschichte Deutschlands, Österreichs, Ungarns und anderen südosteuropäischen Ländern, darunter das ehemalige Jugoslawien, in einem Zeitraum miteinander verflochten, der sich insgesamt vom 17. Jahrhundert bis Mitte des 20. Jahrhunderts erstreckt. Tatsächlich handelt es sich um eine sehr umfangreiche und komplexe Geschichte, da die gleiche historische Periode die Bildung von sehr verschiedenen aktuellen europäischen Ländern, Kriegen, Fusionen, Invasionen, Einwanderungen, sowie die ständige Neudefinition von Grenzen umfasst.

In Brasilien

Während und nach dem Zweiten Weltkrieg mussten viele Donauschwaben Südosteuropa, Richtung Österreich verlassen, wo sie sieben Jahre in Notunterkünften lebten. Die humanitäre Schweizer Europahilfe organisierte schließlich ein alternatives Lebens-Projekt für eine donauschwäbische Gruppe, die sich in Österreich zusammenfand: insgesamt 500 Familien, 2.446 Personen, schlossen sich der Initiative an, die die Schaffung einer landwirtschaftlichen Genossenschaft in Brasilien vorsah, als einen Weg in eine neue Zukunft. So führte die Initiative zur Gründung der landwirtschaftlichen Genossenschaft und Kolonisierung der Hochebenen von Entre Rios, einem Distrikt im Landkreis Guarapuava (PR). Nicht in Deutschland oder anderswo in Europa – die Genossenschaft Agrária wurde auf brasilianischem Boden gegründet, am 5. Mai 1951, im Hotel Central, in Guarapuava. Die Agrária erwarb zunächst, mit finanzieller Unterstützung der Schweizer Europahilfe, eine anfänglichen Fläche von etwa 22.000 Hektar in Entre Rios. Die Donauschwaben, die sich am Brasilienprojekt in Entre Rios beteiligten, wurden Mitglieder und bezahlten mit der Frucht ihrer Arbeit das von der Genossenschaft erhaltene Land zurück.

In Entre Rios, schrieb die Lage der Donauschwaben, mit den vielen Schwierigkeiten der Anfangsjahre, hervorgerufen durch Ernteverluste fehlende Infrastruktur und Sprachschwierigkeiten, zusammen mit ihrer enormen Kraft, Hindernisse zu überwinden, eine der bemerkenswertesten Seiten der Geschichte der deutschen Einwanderung nach Brasilien.

In Entre Rios

Der Bezirk Entre Rios wandelte sich zur einzigen geschlossenen, heute noch bestehenden Gemeinde der Donauschwaben, ähnlich denen, die in Südosteuropa existierten. In anderen Ländern sind die Donauschwaben verstreut, oft in großen städtischen Zentren. Heute sind sich die Donauschwaben von Entre Rios und ihre Nachkommen der Notwendigkeit bewusst, an einer multikulturellen Welt teilzunehmen, neben dem Stolz und der Dankbarkeit, in Brasilien ihre neue Heimat zu haben. Sie bewahren das Beispiel ihrer Vorfahren und stellen sich auch weiterhin den durch die Globalisierung entstandenen neuen Herausforderungen: die einschneidende und rapide Modernisierung der Landwirtschaft in Zeiten der grenzenlosen Märkte und die Erhaltung ihrer kulturellen Identität.